Deutschland und die Digitalisierung: eine Hassliebe. Vernetzte Systeme und intelligente Algorithmen erleichtern uns jetzt schon den Arbeitsalltag. Dennoch stehen wir Deutschen in fast keinem anderen Gebiet dem Fortschritt so skeptisch gegenüber. Es fehlt an allen Ecken und Enden Aufklärung und eine professioneller Herangehensweise. Top-down Anweisungen reichen in vielen Fällen nicht mehr aus. Können Sie auf Anhieb erklären, was genau ein Algorithmus ist? Wenn Sie diese Frage mit „Nein“ beantworten, dann keine Angst. Sie stehen damit nicht alleine. Die überwiegende Mehrheit der Deutschen setzt sich mit dem Thema Digitalisierung nicht auseinander.

In einer Online-Befragung im Auftrag des Vodafone Instituts fand man heraus, dass 37% der Deutschen kein Interesse an der Digitalisierung zeigen und 12% diese sogar vollends ablehnen. Der Mythos des digitalen Büros wird damit verstärkt und angeheizt.

Unser gesellschaftliches Leben und die Kommunikation miteinander haben sich schon lange an die tiefgreifenden Veränderungen angepasst, die die Digitalisierung mit sich bringt. Oder können Sie sich noch vorstellen Ihr Smartphone abzugeben und lediglich mit einem klassischen Telefonanschluss zu kommunizieren? Weshalb also bereitet uns die Umstellung in der Arbeitswelt so große Bauchschmerzen? Wovor haben wir Angst?

Welche Ängste der Digitalisierung im Wege stehen

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) schreibt in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt, künstliche Intelligenz sei der Schlüssel zur Innovation. Brennend legt er seine Sichtweise auf das Thema dar.

Herr Altmaier lässt jedoch den wichtigsten Faktor außer Acht: den Menschen. Wir sind es, die die Digitalisierung voranbringen können, sie aber auch bremsen können. Unternehmen müssen darauf reagieren. Eine top-down Strategie in der lediglich von oben der Befehl zur Digitalisierung kommt, genügt nicht. Es reicht nicht aus in neue Soft- und Hardware zu investieren und zu erwarten, dass alle Angestellten begeistert damit arbeiten.

“Legitimität und Akzeptanz von KI sind nur zu erreichen, wenn der Mensch und seine Würde im Mittelpunkt stehen.” (Peter Altmaier)

Die Angst nutzlos und durch Maschinen ersetzt zu werden steht im Vordergrund. Isolation von sozialen Kontakten und fehlendes Know-how tragen ihr Übriges dazu bei. Von Vorständen, Personalern und Führungskräften bleiben diese Ängste leider oft ungehört.

Jeder Einzelne muss zur Digitalisierung beitragen

Wer nicht mitziehen will, soll eben woanders sein Glück finden. Ganz nach dem Motto „love it, change it or leave it“. Veränderung scheint nicht möglich. Den meisten ist bewusst, dass ein Fortgang bestenfalls die Digitalisierung hinauszögert. Denn jedes Unternehmen wird früher oder später den Prozess starten. Somit bleibt nur das stumme Einverständnis. „Love it“ sieht dennoch anders aus. Verantwortliche scheinen mit diesem Kompromiss einverstanden. Schließlich kann man „nicht alle mit an Bord holen“. Das ist, radikal gesprochen, der komplett falsche Ansatz. Unsere Gesellschaft kann es sich nicht leisten, ganze Bevölkerungsschichten abzuhängen und sich selbst zu überlassen. Alleine die demografische Struktur lässt das nicht zu. Wir werden immer älter, die Rente verschiebt sich immer weiter nach hinten und die Geburtenrate steigt erst wieder seit kurzem. Unsere Gesellschaft altert. Insbesondere für zukünftige Generationen ist ein langes Arbeitsleben schon jetzt vorherbestimmt. Für unsere jetzige „Generation Y“ ist lebenslanges Lernen bereits so selbstverständlich wie der Gang zum Bäcker. Wieso sollten wir dann andere davon ausschließen?

Zugzwang: Führungskräfte müssen umdenken

Des Pudels Kern liegt woanders begraben: in der gemeinsamen Zusammenarbeit. Wir alle neigen dazu uns als individuelle Lebewesen mit größtmöglichem Entscheidungsspektrum zu sehen. Je nach philosophischer Ansicht stimmt das mal mehr, mal weniger. Top-down Befehlsketten stören diese Sicht von uns selbst. Sofort werden Mauern aufgebaut, die erst wieder abgebaut werden müssen. Das kostet Zeit. Und alles was Zeit in Unternehmen kostet, kostet auch zusätzlich Geld. Gerade in der Digitalisierung ist es ratsamer, Mitarbeiter von Beginn an in den Umgestaltungsprozess mit einzubeziehen. Das Selbstverständnis von Führungskräften wird hier auf eine harte Probe gestellt. Anstatt zu führen, übernehmen sie eher eine moderierende Rolle. Das Ergebnis ist offen, die Mitarbeiter finden eine Lösung und die Führungskraft räumt Stolpersteine aus dem Weg. Dieses Umdenken ist notwendig, um das Mindset nicht von vornherein ins Negative zu ziehen.

Digitalisierungsprozesse gestalten

Wie lassen sich Digitalisierungsprozesse gestalten?

Kein Unternehmen, das zukünftig wettbewerbsfähig bleiben möchte, wird um die Digitalisierung herumkommen. Maschinen und künstliche Intelligenz können uns dabei helfen bessere Entscheidungen zu treffen, mehr Wachstum zu erzielen und Fehler zu vermeiden. Ausschlaggebend ist, die Mitarbeiter den Prozess mitgestalten zu lassen. Sie wissen oftmals sehr gut, an welchen Stellen eine digitale Unterstützung notwendig und hilfreich sein kann. Durch die Mitnahme aller Angestellten wird der Begriff „Digitalisierung“ entmystifiziert. Was bedeutet das denn überhaupt? Genau – in jedem Unternehmen etwas anderes. Für den Mittelständler kann es bedeuten zukünftig nur noch ein Minimum an Papier zu produzieren. Für die AG ganze Geschäftsprozesse automatisiert laufen zu lassen. So unterschiedlich die Ziele in den Unternehmen sind, so unterschiedlich sind die Vorstellungen der Digitalisierung auch in den Köpfen der Menschen. Kommunizieren sie ganz klar, was sie konkret darunter verstehen und wo die Reise einmal hingehen soll. Machen Sie aus dem Abstraktum ein Konkretum und festigen Sie die Vorstellungskraft durch Beispiele.

“Wir müssen die Sorgen der Menschen ernst nehmen und sie beim digitalen Wandel mitnehmen. Die Angst vor neuen Technologien darf unsere Gesellschaft nicht lähmen.” (Inger Paus)

Es ist ein Unterschied ob ich sage: „Ich baue ein Haus“ oder „Ich baue ein zweistöckiges, kleines Backsteinhaus in der Provence mit roten Dachziegeln.“ Nehmen Sie dem Begriff die schleierhafte Mystik. Das ist der erste Schritt zur Akzeptanz. Auch ein Perspektivwechsel kann Hindernisse beseitigen. Statt über kommende Aufgaben und Herausforderung im Digitalisierungsprozess zu sprechen, wenden Sie einfach das Blatt: „Das wird besser, jenes wird leichter, hier geht es schneller und dort hast du mehr Zeit für anderes.“ Festgefahrene Situationen schreien geradezu nach einer neuen Sicht. Sprechen Sie die positiven Seiten des Wandels an. Die Bildsprache unterstützt hier ebenso wie im vorangegangenen Punkt.

Ergreifen Sie die Chance von Mitarbeitern zu lernen

Lebenslanges Lernen gilt auch für Führungskräfte. Nicht immer sind dafür Fortbildungen notwendig. Manchmal reicht es einfach den eigenen Mitarbeitern zuzuhören. Ihre Ängste, Vorschläge und Meinungen können einen Teil dazu beitragen, Digitalisierungsprozesse schneller voran zu bringen und Fehler von vornherein zu vermeiden.

Das Wissen dazu ist fast immer schon im Unternehmen vorhanden. Es muss nur gefunden werden. Moderierte Workshops, Fortbildungen und eine externe Gesprächsleitung können hier unterstützend zum Erfolg beitragen. Stellen Sie Ihre Angestellten also nicht vor vollendete Tatsachen. Arbeiten Sie gemeinsam mit Ihnen an der Gestaltung der Digitalisierung Ihres Unternehmens.

Wenn Sie sich nicht sicher sind, wie genau Sie Ihre Mitarbeiter auf Ihre Seite ziehen können oder der Digitalisierungsprozess bereits in vollem Gange ist, die Mitarbeiter sich aber verweigern, dann nehmen Sie gerne direkt Kontakt zu uns auf. Wir sortieren gemeinsam Ihre individuelle Situation und betrachten mit Ihnen, wie wir Sie konkret unterstützen können.

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